Podiumsdiskussion mit Cesy Leonard (Zentrum für politische Schönheit), Manaf Halbouni und Cornelia Lanz (Zuflucht Kultur)

Moderation: Frank Schulze

In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist „das Recht(…) sich an den Künsten zu erfreuen“ in Artikel 27 verbrieft. Allerdings scheinen sich manche wohler zu fühlen nicht in den Genuss bestimmter Kunstwerke zu geraten, weil damit keine Freude, sondern gar Abstoßung verbunden ist. Rührt nun diese Abstoßung daher, dass bei strittigen Kunstwerken auf die Unvereinbarkeit eigener Wertvorstellungen und Handlungsweisen ein Augenmerk gelegt wird oder daher, dass einige Kunstwerke einfach nur geschmacklos sind? Darf an Religionen und Tabus gerüttelt werden?

Artikel 27 besagt außerdem, dass jeder Mensch das Recht hat „am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen“. Hierin verbirgt sich nicht nur das Recht auf künstlerische Freiheit, sondern auch die Idee, dass um gemeinsam gestaltete Kunst zwischenmenschliche Beziehungen über Sprach-, Religions- und Heimatländergrenzen hinweg und damit ein Ensemble im wortwörtlichen Sinne entstehen kann.

In einer Podiumsdiskussion wollen wir die Rolle, die Kunst im Kampf um bzw. in der Verteidigung der Menschenrechte spielt, erörtern. Auch die Frage, was Kunst darf und ob darüber überhaupt ein Urteil erhoben werden kann, soll thematisiert werden. Dafür möchten wir darstellenden, bildenden und AktionskünstlerInnen eine Bühne zu bieten um ihre Kunstwerke zu präsentieren und sich kritischen Fragen zu stellen.

  • Das Zentrum für Politische Schönheit vertritt einen nach eigenen Angaben „aggressiven Humanismus“. Seine Themen sind: Genozide. Flüchtlingssterben und Rüstungsknete. Die Methoden sind oft spektakulär, unbequem und stoßen oft auf nur wenig Gegenliebe. Seit 2009 organisiert das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) künstlerische Interventionen, zuletzt mit einem Nachbau des Holocaust-Mahnmals vor dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke.
  • Der syrische Künstler Manaf Halbouni hat vor allem durch seine monströs anmutende Installation „Monument“ Aufmerksamkeit erregt. Die 3 hochkant aufgestellten Busse vor der Dresdner Frauenkirche erinnerten an Bollwerke, die ZivilistInnen in Aleppo vor Geschossen schützen sollten. Die damit gezogene Parallele zu zivilen Dresdner Kriegsopfern sorgte gerade in der Heimatstadt von Pegida für enorme Polarisierung.
  • Cornelia Lanz ist Initiatorin des Vereins Zuflucht Kultur, der sich in phantasievoll emotionalen Formaten für transkulturelles Miteinander, Frieden und Völkerverständigung durch Musik engagiert. Die Mozartopern mit Geflüchteten Cosi fan tutte, Zaide und Idomeneo sowie Carmen und Orfeo kamen über 60 Mal zur Aufführung. „Die Anstalt“ (ZDF) erhielt für den Auftritt des syrischen Flüchtlingschores Zuflucht den Grimmepreis 2015 „für den Moment der Echtheit und Wichtigkeit“, in dem die Mitwirkung direkt Betroffener emotionale Wucht entfaltet sowie den Amnesty Menschenrechtspreis 2015. Auftritte waren unter anderem beim World Humanitarian Summit der UNO in Genf oder am Bürgerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue aber auch auf vielen Anti-Rassismus-Demos.

Im Vorfeld des HumanistenTags Nürnberg 2018 sprach das Humanistische Magazin des HVD Bayern mit Cornelia Lanz über ihre Opernproduktionen und ihr künstlerisch-soziales Engagement. Das Gespräch kann hier nachgehört werden: