Programm

Die Programmplanung für den HumanistenTag 2018 läuft auf Hochtouren. Wir feiern 70 Jahre allgemeine Erklärung der Menschenrechte und damit ist auch unser Schwerpunkt für die Podien und Vorträge gesetzt: Meinungs- und Pressefreiheit, das Recht auf Leben und Sterben, Asylgrund Atheismus, Arbeit und Sklaverei im 21. Jahrhundert und das Abwägen von Freiheit und Sicherheit sind nur einige Themenfelder, die zum Nachdenken und Diskutieren einladen. Auf dieser Seite finden Sie eine erste Übersicht, detaillierte Angaben folgen innerhalb der nächsten Wochen.

 

Freiheit vs. Sicherheit: Schluss mit der Abwägung!

Festvortrag von Heiner Bielefeldt
„Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Dass dieser so kurz und knapp formulierte Artikel Nummer 3 der Menschenrechtscharta so viel Raum für Diskussionen gibt, liegt nicht zuletzt daran, dass die enthaltenen Rechte Freiheit und Sicherheit immer wieder gegeneinander abgewogen werden. Heiner Bielefeldt, Professor für Menschenrechtsfragen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, widmet sich im Rahmen seines Festvortrags diesem Spannungsfeld.

 

Die Gedanken sind fr… – Meinungs- und Pressefreiheit in Zeiten des neuen Autoritarismus

Podiumsdiskussion u.a. mit Constanze Kurz (Chaos Computer Club), Magdalena Marsovsky und Marc Soignet (European Humanist Federation)
In Artikel 19 der allgemeinen Menschenrechte ist die Meinungs- und Informationsfreiheit und damit auch das Recht auf Freiheit der Presse verankert. Zwar war die Pressefreiheit schon immer hart umkämpft, doch es scheint als ob die Zahl der Angriffe auf diese Grundsäule demokratischer Gesellschaften in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“, die für diese Rechte kämpft und Verletzungen dokumentiert, hält in einer Pressemitteilung besorgt fest, dass auch in vielen westlichen Ländern Spitzenpolitiker „ihre Geringschätzung gegenüber Journalisten offen zur Schau“ tragen. Das Podium befasst sich mit der Frage, wie die Pressefreiheit im Westen verteidigt werden kann und welche realen Auswirkungen die Aushöhlung dieser Rechte jetzt schon hat.

 

Zunkunft is the Future

Kabarett von Vince Ebert
Unsere Welt verändert sich mit rasender Geschwindigkeit. Als Kinder glaubten wir an eine glorreiche Zukunft, an den digitalen Reisewecker, das Dolomiti-Eis und Hoverboards. Heute kommunizieren wir über Uhren in Sekunden mit Menschen auf anderen Kontinenten, essen in Algen gerollten rohen Fisch und Heino covert Rammstein. Das war nicht vorauszusehen! In seinem letzten Programm „Evolution“ schaute der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert in die Vergangenheit und zeigte uns, warum wir so sind, wie wir sind. In seinem neuen Programm wagt er einen Blick in die Zukunft. Wie werden wir in 20 Jahren sein? Wird uns Youtube mit Katzenvideos in den Wahnsinn treiben? Wann endlich kommt die Frauenquote im Vatikan? Kann die Erderwärmung durch Social Freezing verhindert werden? Und wieso sind fast alle Zukunftsprognosen falsch? Wir fliegen heute nicht mit Rucksackraketen durch die Lüfte, haben keinen Warp-Antrieb und noch immer kein Mittel gegen Krebs. Dafür die iWatch, keine Mauer mehr und eine Pille, die bei ihrer Einnahme eine Erektion verursacht. Ganz ehrlich, wer braucht da schon Rucksackraketen? Zukunft läuft immer anders ab, als man denkt. Noch vor 10 Jahren ist Rudolph Moshammer mit einem Telefonkabel erdrosselt worden. Das wäre heute rein technisch überhaupt nicht mehr möglich. Vince Ebert stellt sich der Zukunft: Big Data, selbstfahrende Autos und Berufsaussichten im Odenwald. Mit auf der Bühne ist VAL: sein virtueller Sidekick – ein mit den Algorithmen einer Wienerin programmierter Computer, der auch mal gerne ein rebellisches Eigenleben entwickelt. Kann man überhaupt etwas Fundiertes über die Zukunft sagen? Der Diplom-Physiker Vince Ebert behauptet: JA! Die Thermodynamik besagt eindeutig, dass es mit unserem Universum unaufhaltsam bergab geht. Anderseits sagt sie auch: „Man kann den absoluten Nullpunkt niemals erreichen“. Egal, wie beschissen es Dir also geht, es ist immer noch Luft nach unten. Und das ist doch schon mal eine tröstliche Botschaft. Live long and prosper. Zukunft is the future.

 

Fußball und Menschenrechte – die FIFA-WM 2018 in Russland

Podiumsdiskussion mit Martin Endemann und anderen
Der Fußballsport war immer wieder Austragungsort politischer Konflikte und bietet mit seinen internationalen Events gleichzeitig eine ausgezeichnete Plattform für Imagekampagnen. Immer wieder machen sich das Länder und Regierungen zu Nutze, in denen Menschenrechtsverletzungen zum Alltag gehören. Die Vergabe der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr nach Russland hat zu heftigen Debatten geführt, da dort sowohl Pressefreiheit, die Rechte Homosexueller und von Frauen bedroht sind. Auch soll es auf den Baustellen der Stadien zum verstärkten Einsatz von nordkoreanischen Zwangsarbeitern gekommen sein. Die Podiumsdiskussion will u.a. fragen, wie die Menschenrechtslage vor Ort ist und warum sich der Weltverband überhaupt zur Vergabe entschied.

 

Recht auf Leben. Recht auf Sterben.

Podiumsgespräch mit Gita Neumann, Hans Kudlich, u.a.
Im Artikel 3 der Menschenrechtscharta ist das Recht auf Leben verbrieft. Ist auch die Entscheidung über das Ende unseres Lebens in diesem Recht enthalten? HumanistInnen antworten hier gern inbrünstig mit „Ja!“, müssen sich aber die Frage stellen, ob das Recht auf Sterben nicht eine gefühlte Pflicht zu Sterben kranker und gebrechlicher Menschen hervorruft. Wie können wir menschlich mit dem Sterben und Suizidwünschen umgehen? Würde nicht ein Ausbau der Palliativ- und Hospizarbeit ein umfassendes Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende zu einem machen, das am Ende gar nicht wahrgenommen wird? Und wenn, würde dieses Recht dann trotzdem gebraucht werden?

 

Wie Humanist sein im Jahr 2018?

Vortrag von Gerhard Engelmayer
Das Jahr 2018 stellt HumanistInnen vor große Herausforderungen. Egal ob die allseits umgreifende autoritäre Formierung der Gesellschaft, die Menschenrechtslage weltweit oder humanitäre Herausforderungen – HumanistInnen werden allerorten gebraucht. Der Vorsitzende der österreichischen humanistischen Gemeinschaft „Freidenker“ – Dr. Gerhard Engelmayer – wird sich an einer Positionsbestimmung versuchen: Wie kann man im Jahr 2018 noch Humanist sein?

 

Colored Glasses

Simulation zum Thema Diskriminierung und Menschenrechte
Unsere kulturelle Prägung können wir nicht einfach abschütteln. Wertvorstellungen, Meinungen und Stereotype „färben“ unseren Blick auf die Welt. In den Workshops der jungen EU-geförderten Bildungsinitiative Colored Glasses (engl. für „gefärbte Brille“) wird die bewusste Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft gefördert. In den angebotenen Simulationen „Circle of Society“ und „Human Rights Tree“ werden die Teilnehmenden in Szenarien eintauchen, bei denen sie Aufgabenstellungen erfüllen müssen und sich dabei mit Beschränkung bzw. Privilegierung konfrontiert sehen. Anschließend wird in einer gemeinsamen Auswertung das Planspiel und letztlich die Mechanismen von Inklusion und Exklusion sowie die Auswirkung von Menschenrechtsbeschränkungen analysiert.

 

Sing Human Rights Chor

Workshop mit Komponist und Chorleiter Axel Schullz
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Gospelsound, das ist eine Idee von Axel Christian Schullz. Einen gesungenen Text behält man viel besser im Gedächtnis als gesprochene Worte. Und je mehr Menschen ihre Rechte kennen, desto mehr Menschen werden ihre Rechte auch einfordern. Axel Schullz wird im Workshop mit den Teilnehmenden einige Menschenrechtsartikel musikalisch erarbeiten. Dieser HumanistenTags-Chor wird die Abschlussveranstaltung am Sonntag klangstark bereichern.